Michel BRAS & KAI


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Fischfang mit Kormoranen

Fischfang mit Kormoranen, eine Tradition geschützt vom Hof und vom Staat

Der Nagara, einer der am besten geschützten Flüsse Japans, erstreckt sich etwa über eine Länge von 160 Kilometern. Seki liegt flussabwärts etwa in der Mitte des Flusses. Die Stadt wird historisch in Verbindung gebracht mit der Jahrhunderte alten Tradition der Nutzung von Kormoranen als Fischfänger (ukai). Bei dieser Fischfangmethode, welche zwischen Mitte Mai und Mitte Oktober ausgeübt wird, benutzt ein Meister des Kormoranfischens (usho) 8 bis 10 Kormorane, um Frischwasserforellen zu fangen, süßliche und schmackhafte Fische, die sich nur von Algen ernähren. Sie sind sehr licht- und geräuschempfindlich. Deswegen scheucht der usho sie zuerst auf, indem er gegen sein Boot schlägt und leuchtet mit einer Taschenlampe auf die schwarze Wasseroberfläche, erst dann lässt er die Kormorane losfliegen, um die Fische aus dem Wasser zu schnappen. Der atemberaubende Sturzflug eines Kormorans in der Stille der Nacht, seine typischen Rufe, hoa hoa, die flinken und geschickten Bewegungen ergeben eine typische und faszinierende Sommernachtsszene am Nagara.
Diese Fangtechnik ist immer geschützt worden von Hof und vom Staat. Am Hofe wurden eigens Beamte ernannt, die das Fischen als eine Art Ritual vollzogen oder auch einfach aus Freude an der Sache.
Kein Zufall ist es, dass das japanische Ideogramm für Frischwasserforelle das Zeichen für Fisch mit dem Zeichen für Weissagung kombiniert. Einer Legende zufolge hat die Kaiserin Shinko im 4. Jahrhundert unmittelbar vor einer Schlacht zur Vereinigung ihres Landes ein Stück Faden von ihrem Kleid genommen und folgenden Wunsch ausgesprochen: „Wenn ich den Kampf gewinnen kann, lass mich einen Fisch fangen mit diesem Faden.“ Man sagt, sie habe eine Frischwasserforelle geangelt.
Heutzutage trägt ein usho ein schwarzes Kleid, einen kazaori eboshi (einen Hut mit einem Kinnband) und ein mino (ein Hemd aus Stroh). Diese Kleidung geht zurück auf die Heian Zeit (794-1192). Die Techniken und Geheimnisse der Kormoranfischerei am Nagara wurden wie eine Stafette vom Vater auf den Sohn weitergereicht, um sicherzustellen, dass diese edle Tradition zukünftigen Generationen erhalten bleibt.